Wo: Thüringen – Deutschland
Wann: März  2018

Häuser sind weiß gestrichen, hellgrau verputzt oder rot- oder gelb geklinkert – jedenfalls die meisten, da wo ich herkomme. Jedes bunte Haus fällt auf und ist ein Gesprächsthema, wie damals als ein Eiderstedter meinte sein bisher weiß verputztes Haus würde lila noch viel besser aussehen und dafür das leuchtendste Violett das der örtliche Baumarkt im Sortiment hatte auf seiner Fassade verteilte.

Das führte natürlich erst einmal zu ernsten Diskussionen mit den Nachbarn und war auch danach noch jahrelang Gesprächsthema bei jedem Skatabend in der Umgebung des kleinen Ortes mit dem lilafarbenen Haus auf der Halbinsel.
Eigentlich können wir doch froh sein, dass wir unser kleines Schloss in der Farbe streichen können, die uns als Schlossherren am besten gefällt. Zumindest solange der Bebauungsplan nichts anderes fordert oder wir wirklich in einem denkmalgeschützten Schloss wohnen.

50_Shades_of_green_thüringen_13-19-48Nur so richtig zu satter Farbgebung trauen sich die wenigsten, ich nehme mich davon auch nicht aus.
Dass dies durchaus regional unterschiedlich gesehen wird, hat mir mein letzter Urlaub in Thüringen gezeigt. Kaum hatte ich die Grenze zum Freistaat überfahren sprangen mir die ersten Häuser in grellen Farben ins Auge.

50_Shades_of_green_thüringen_13-19-02Die nächsten Kilometer grübelte ich darüber nach, ob die Thüringer generell etwas wagemutiger bei ihrem Außenauftritt sind oder die teilweise an grelle Kriegsbemalung erinnernden Fassaden einen Kontrapunkt zu den weitläufigen, dunklen Waldgebieten setzen sollen. Oder lag es vielleicht an der jüngeren Geschichte? Wenn ich mich an eine Sache im ehemaligen Ostblock noch sehr genau erinnern kann, ist es das überall vorherrschende Grau der Fassaden. Das konnte damals keine noch so farbenfrohe Natur auch nur annähernd ausgleichen. Aber für eine Überkompensation der grauen Fassaden des Arbeiter- und Bauernstaates ist das Ende der DDR eigentlich schon zu lange her oder etwa nicht?

Vielleicht soll die Farbgebung auch potentiellen Besuchern die Anfahrt erleichtern? Du fährst in den Ort und dann wohne ich auf der rechten Seite in dem grasgrünen Haus, neben dem weizengelben mit dem knallroten Dach. So findet man auch ohne Straßennamen oder Navi schnell sein Ziel, Ortsname und Hausfarbe sind ausreichend.
Mein Grübeln kam zu keinem einheitlichen Ergebnis, die wahre Erklärung wird wohl etwas von allen Theorien sein, gepaart mit ein einigen zusätzlichen Gründen, auf die ich bis jetzt noch gar nicht gekommen bin.

50_Shades_of_green_thüringen_15-54-18Offensichtlich hatte das Knirschen der Zahnräder in meinem Kopf das Motorengeräusch übertönt oder ich hatte mich unbewusst etwas zu sehr über die bunten Farbkleckse in den Orten auf unserem Weg echauffiert, denn plötzlich riss mich ein Kichern von der Beifahrerseite aus meinem Grübeln. „Hihi – 50 Shades of green“ hörte ich es von rechts.

50_Shades_of_green_thüringen_13-41-12So eine Idee weckt natürlich sofort den Jäger und Sammler in mir. Auf den restlichen knapp 100 Kilometern konnten einige Thüringer einen diebisch grinsenden Fotografen beobachten, der vor jedem grünen Haus hielt und ein paar Fotos machte.
Die 50 Shades of green habe ich locker zusammenbekommen, auf die Thüringer kann man sich beim Thema farbenfroh und vor allen Dingen grün halt immer verlassen.

Text: Boris Kohnke, März 2018
Fotos: Boris Kohnke

Thüringen

In Thüringen findet man natürlich mehr als bunte Häuser. Neben den kulturellen Höhepunkten wie beispielsweise dem UNESCO-Welterbe Weimar mit seinem Bauhaus oder Erfurt mit dem Dom und der Krämerbrücke, ist im Freistaat auf jeden Fall die Natur sehenswert. Von den weitläufigen Waldgebieten ist eine Teil als einziger Nationalpark Thüringens ausgewiesen – der Nationalpark Hainich er ist Teil der einzigartigen Europäischen Buchenurwälder. Für Freunde der gepflegten Fastfood-Kultur sind auch die an jeder Ecke zu findenden unermüdlichen Würstchengrillern mit ihren Thüringern auf dem Holzkohlengrill ein Highlight.