Wo: Harz- Deutschland
Wann: Oktober 2018

Weil ich einmal auf einer Engelsbank sitzen wollte, ist mein Mann mit mir zum Harzer Klosterwanderweg gefahren. Genauer gesagt zur Neuwerkkirche in Goslar, denn dort kann man direkt vor dem Eingangstor parken. Mehr wollten wir nicht. Kein Pilgern, kein Wandern, keine Klosterbesichtigung. Nur eine Engelsbank.

 

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Doch warum nur eine Bank angucken, wenn es davon 15 Stück gibt? Alle Standorte der originellen Holzbänke zwischen Goslar und Thale hatte ich mir vorher als PDF hier heruntergeladen. Und nach der schönen Stippvisite am ersten Standort war direkt unser Jagdfieber geweckt. Zumindest die sechs niedersächsischen Engelsbänke sollten doch per Auto an einem Nachmittag zu schaffen sein?

 

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Nächste Station: Kramerswinkel Goslar, am Ende der Bürgermeister-Papen-Straße. Wer sich hier auf die Engelsbank setzt, blickt gleich in Richtung des dritten Standorts, der Klosterkirche Grauhof. Dort wiederum steht die hübsche Bank, die von der Jugendwerkstatt der Goslarschen Höfe in Handarbeit hergestellt wurde, direkt am Eingang der Kirche, neben dem goldenen Kruzifix.

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Jetzt merken wir es auch: Jeder „Engelskopf“ ist mit einem anderer Spruch versehen. „Ich schütze dich. Gott“ steht auf dieser. Je nach Einstellung kann man sich beim Niederlassen auf einer Engelsbank beschützt, beflügelt, umarmt oder „wie immer“ fühlen und seine Stulle aus dem Rucksack holen. Mir gefallen diese kleinen Kunstwerke einfach, die der Blankenburger Holzkünstler Werner Fleck entworfen hat. Und ja, man sitzt gut darauf.

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Erst beim vierten Standort, dem Kloster Wöltingerode, wird es uns Autofahrern nicht so leicht gemacht wie bisher. Wir haben den falschen Parkplatz gewählt und müssen nun doch einen richtigen Spaziergang machen, um zur Engelsbank zu gelangen. Das rot-weiße Kreuzsymbol des Klosterwanderwegs weist uns den Weg. Wir genießen die Sonne und auch die anschließende Runde über das Klosterareal, die mit einem Fischbrötchen gekrönt wird. Denn neben einem Hotel liegen auch eine Brennerei, ein Café-Restaurant, ein Damwildgehege und eine Fischräucherei auf dem Gelände. Hier könnten wir uns noch länger aufhalten.

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Doch die fünfte Bank am Ausflugslokal Finkenherd in Vienenburg ruft. Fast wären wir dran vorbeigefahren. Der Ort ist unauffällig im Vergleich zu den anderen, darum machen wir keine lange Rast, sondern steuern den sechsten Standort an.

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Kurz vor der Brücke der Einheit, zwischen Lochtum und Abbenrode nehme ich zum letzten Mal an diesem Tag auf einer Engelsbank Platz. Sie steht an einem besonderen Ort. Hier verlief früher die deutsch-deutsche Grenze. Mit meinen Engelsflügeln im Rücken blicke ich nach Sachsen-Anhalt. Ich hätte richtig Lust, dort auch die anderen neun Bänke zu besuchen, die in Ilsenburg, Wernigerode, Blankenburg, Timmenrode und Thale auf müde Wanderer warten. Und ich bin ziemlich sicher, das Auto lasse ich dann stehen.

Text: Petra Nickisch-Kohnke, September 2018
Fotos: Boris Kohnke

Klosterwanderweg

Auf dem Harzer Klosterwanderweg geht es auf 84 Kilometern zu Klöstern, Kirchen und durch viel Natur. Von Goslar bis Quedlinburg verläuft die Strecke, auf die man sich mit dem passenden Flyer oder dem kleinen Pilgerbegleiter „Engeln auf der Spur“ vorbereiten kann. Beide sind zum Beispiel in der Tourist-Information Goslar erhältlich.