Wo: Höfen – Deutschland
Wann: Mai 2018

Haben die was zu verstecken? Riesige Haushecken, bis zu 8 Meter hoch, durchziehen den Ort Höfen in der Eifel. Dahinter könnte man klapprige Häuser und rumpeligen Gärten vermuten, Ansammlungen von Schrott oder Abfall. Doch keine Spur davon! Mähroboter ziehen ihre Bahnen, Rhododendren blühen in allen Farben und die Fachwerkhäuser sind schmuck herausgeputzt.

Höfener Heckenweg 4

Warum also die vielen grünen Wände aus Buchenhecken? Wir sind neugierig und begeben uns auf den „Höfener Heckenweg“, eine 5,3 km lange Rundwandertour, die am Nationalpark-Tor beginnt und zuerst mitten durchs Dorf führt. Durch ruhige Gassen schickt uns die Route. Wir Nordlichter versuchen vergeblich Straßenschilder wie „Löjmböschelsjass“ zu verstehen und luschern immer wieder durch kreative Hecken-Einschnitte, die einen Blick auf die Privatgrundstücke erlauben.

 

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Bis wir zur ersten Schautafel kommen. Dort erfahren wir, dass die ältesten Hecken noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Schon damals schützten sie die Häuser vor Sturm und Regen. Statt sich also hinter den lebendigen Wänden zu verstecken, machen sich die Höfener bis heute ihre guten Eigenschaften zunutze: Ihre Haushecken wehren selbst im Winter noch Wind und Schnee ab und spenden im Sommer Schatten. Als zusätzlichen Vorteil dämpfen sie den Lärm der Straße. Sie dienen als Staubfilter – und garantiert auch als Sichtschutz vor allzu neugierigen Blicken der Spaziergänger.

Höfener Heckenweg 7

Nach einigen Abzweigungen führt der mit der Nummer „31“ ausgeschilderte Heckenweg hinaus aufs Weideland. Wir begegnen Rindern und Pferden, unzähligen Pusteblumen und erneut den Rotbuchenhecken, die hier als meterlange Flurhecken die Grundstücksgrenzen markieren und vor allem früher, als es noch keinen Elektrozaun gab, die Äcker vor Wind und hungrigem Vieh bewahrten. Schutz ist also wieder ihr wichtigster Auftrag. Ihn bieten sie auch den kleineren Tieren, die die Hecken als Nist- oder Rückzugsplatz nutzen.

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Höfener Heckenweg 2

Ein spannendes Landschaftselement, das für das „Monschauer Heckenland“, wie diese historische Kulturlandschaft rund um Monschau genannt wird, typisch ist. Doch ohne die richtige Pflege würde keine Hecke so adrett aussehen und sie könnte auch nicht ihre Funktion erfüllen. Wir lernen, dass ein regelmäßiger Schnitt und die Durchflechtung mit eigenen Ästen und Zweigen und später mit Latten und Holzstangen unerlässlich sind.

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Uns macht es einfach nur Spaß, die Formenvielfalt der Hecken zu entdecken. Wir sehen Torbögen, Fenster, niedrige Hecken um einen Picknicktisch herum, hohe Hecken, die zur Straße hin abschirmen – überall grüne Buchenblätter. Selbst in seinem Wappen führt Höfen die Buchenhecke.

Wie es hier wohl im Herbst aussieht? Fotos auf den Schautafeln zeigen, dass längst nicht alle Blätter von den Zweigen abfallen, wenn sich das Laub an den Hecken braun verfärbt. Dadurch bleibt ihr Windschutz selbst im Winter erhalten, auch wenn die Hecken dann etwas skelettartig wirken. Ein ganz anderes Bild ergibt sich also zur kalten Jahreszeit. Den Vergleich sollten wir bei Gelegenheit anstellen, denn der schöne Heckenweg funktioniert auch als Schneewanderweg.

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Text: Petra Nickisch-Kohnke, Juni 2018
Fotos: Petra Nickisch-Kohnke, Boris Kohnke

Monschau

Höfen ist ein Stadteil von Monschau. Die Stadt an der Rur liegt nur rund 3 km vom „Höfener Heckenweg“ entfernt und ist bekannt für ihre Fachwerkhäuser und die engen Kopfsteinpflasterstraßen. Monschaus mittelalterliches Zentrum zieht Scharen von Touristen aus Deutschland, dem benachbarten Belgien und den nahen Niederlanden an, die in den verwinkelten Gassen gern das eine oder andere „Monschauer Dütchen“ verzehren, die Gebäckspezialität aus Eierbiskuit.