Wo: Hamburg – Deutschland
Wann: November 2018

Immer der roten Linie nach. „Sie können sich nicht verlaufen“, verspricht mir Hans Hummel an meinem Startpunkt an der S-Bahn-Station Stadthausbrücke. Doch ich misstraue dem Wasserträger im knallroten Look. Hat er nicht im vorletzten Jahrhundert den Kindern, die ihn mit „Hummel, Hummel“ neckten, „Mors, Mors“ hinterhergeworfen? Das ist plattdeutsch und verkürzt den unfeinen Spruch „Kratz dich am A…“. Richtig griesgrämig soll er gewesen sein. Und dieser Mann will mich sicher auf seinem Hummel-Bummel durch die Hamburger Neustadt leiten?

Hummel-Bummel Komponoistenviertel

Schon nach wenigen hundert Metern, auf dem Großneumarkt, verliere ich seine Spur. Dachte ich’s mir doch. Zu viele Füße haben den mit roter Farbe aufgemalten Strich einfach vom Boden weggerubbelt. Ich kann nicht mehr erkennen, wo der Stadtteilrundgang weitergeht. Egal, für meinen Geschmack hatte ich eh zu viel nach unten auf die Erde geschaut. Wer weiß, was ich rechts und links schon verpasst habe? Ich zücke einen von der Hummel-Bummel-Webseite ausdruckten Plan und folge nun der Linie auf dem Papier.

Rundgang ist gar nicht das richtige Wort, erkenne ich jetzt. Eher Sternengang. Ich muss mich entscheiden, ob ich vom Zentrumspunkt Großneumarkt erst bis zum Michel (Bild oben) oder bis zum Museum für Hamburgische Geschichte gehe. Sowohl diese beiden Sehenswürdigkeiten als auch die Laeiszhalle und die S-Bahn-Station Stadthausbrücke bilden die insgesamt vier Eckpunkte des Stadtteilbummels.

Hummel-Bummel hummelhummel

Mich lockt das KomponistenQuartier. Doch nicht nur mich: In der hübschen, schmalen Peterstraße treffe ich vermehrt auf Touristen, die sich sonst eher selten in die Tiefen dieses Stadtviertels verirren. Sie wollen mehr erfahren über Brahms, Bach, Mahler, Telemann und Mendelssohn, die alle einst in Hamburg lebten. Sechs Komponisten-Museen geben über das Schaffen dieser Künstler Auskunft. Doch mich zieht es weiter. Geschichten, Geschichte, Galerien und Gastronomie hat mir Hans Hummel noch versprochen. Und dieses Mal hat er nicht geflunkert. An vielen Hauswänden entdecke ich rot-weiße Infotafeln, auf denen einiges zur Historie des jeweiligen Gebäudes oder Platzes steht.

Hummel-Bummel Michel

Nicht weniger interessant sind die originellen Schaufenster der vielen kleinen Läden. Ungetoppt: ein „nackter“ Burt Reynolds aus Plüsch in der Poolstraße, an dem ich dann doch schnell vorbeigehe, um zur letzten Station, der Laeiszhalle, zu kommen. Auch hier, vor dem 110 Jahre alten Konzerthaus, sonnt sich ein feuerroter Hans Hummel und ich lasse mich von ihm zurück zum Ausgangspunkt schicken. Endlich daran denkend, auch mal an den Häuserfronten hinaufzuschauen, um die vielen Verzierungen zu bewundern, denn viele Gebäude in der Neustadt sind Kulturdenkmäler. Besonders gefällt mir die Architektur auf der Fleetinsel an der Michaelisbrücke/Admiralitätstraße. Dort bin ich auch schon wieder beim S-Bahnhof Stadthausbrücke angekommen. Nun gut, Hans Hummel, ich hab mich nicht verlaufen. War super, vielen Dank.

Text & Fotos: Petra Nickisch-Kohnke, November 2018

Wochenmarkt

Mittwochs und samstags treffen sich die Neustädter auf dem Großneumarkt zum Wochenmarkt. Jeweils von 8.30 bis 13.30 Uhr kann hier, umrahmt von vielen Restaurants, geschlemmt und geklönt werden. Ein wirklich geselliger und gemütlicher Markt – mit Blick auf den Michel.